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Die Johannesnacht auf Teneriffa

  Die Nacht der Nächte - Noche San Juan - Die Johannisfest auf Teneriffa

Eigentlich ist es ein heidnisches Fest, das in Europa bis in den höchsten Norden mit alten Riten, Gebräuchen, Spuk, Hexenglauben als Fest des Lichtes, der Hoffnung mit Wünschen für bessere persönliche Perspektiven gefeiert. In Schweden schmückt man die Häuser mit Girlanden und legt Blüten unters Kopfkissen. In christlichen Kulturen wurde das Fest dann Johannes dem Täufer umgewidmet, der seinen Feiertag am 24. Juni hat. Um seinen Namen ranken sich viele Legenden: Das Johanniskraut, eine Heilpflanze, auch als Hexenkraut bekannt, läßt angeblich Bluttropfen des enthaupteten Johannes fließen, wenn man die Blüte vor dem Aufblühen zerreibt. Die Johannisbeeren reifen jetzt, die Johanniskäfer funkeln in dieser Zeit nachts, um ein Weibchen anzulocken. Der Bußprediger Johannes soll sich auf dem Pilgerweg durch die Wüste vom Johannisbrotbaum ernährt haben. Heilpflanzen werden an seinem Geburtstag in der Frühe für Zaubertränke gesammelt.

Auch auf Teneriffa haben sich viele alte Bräuche erhalten, die mit dem Johannisfest verknüpft sind. Dabei spielen Feuer, Wasser, Kräuter und Beschwörungsformeln eine magische Rolle. Böses soll vertrieben werden und Fruchtbarkeit wird ersehnt. Die Pyromanen haben nun ihr großes Fest: Die Feuer lodern bereits am 21. Juni in allen Dörfern auf, man kann es einfach nicht erwarten. Alles Brennbare wurde dafür schon lange vorher gesammelt. Und das Springen über die Feuer ist eine Mutprobe, es soll Glück bringen, so wie es der Sage nach der Vater des Johannes zu seiner Geburt aus Freude wagte. Häuser und alte Wasserstellen, die „chorros“, werden auf der Insel ab dem 22. Juni mit Girlanden und Bögen aus Palmblättern und Früchten geschmückt, so auch mit Birnen, den „peras sanjuaneras“, die jetzt reifen. Diese Tradition geht auf die Zeit zurück, als ein Wasserhahn im eigenen Haus noch eine Rarität war und es nur öffentliche Wasserstellen gab, Austausch von Neuigkeiten inbegriffen.

Am Abend des 23. Juni treffen sich Familien, Freunde und Nachbarn an den Stränden, ganz attraktiv in Puerto de la Cruz, an der Playa Jardín. Geht die Sonne im Meer unter, kommt die Dämmerstunde – die Fiesta kann beginnen. Die Feuer, die „Hogueras de San Juan“, werden entzündet, und soweit man schauen kann entfaltet sich ein einziges Lichtermeer, unterstützt von phantastischer Effektbeleuchtung der aufgebauten Bühnen. Alles trifft sich in dieser Nacht, und man feiert ein herrlich harmonisches, friedliches und fröhliches Fest. Tausende von Menschen treffen sich an den Stränden, leeren die Picknickkörbe gemeinsam mit Freunden und Nachbarn. Ein bißchen Aberglaube und Hoffnung lassen an diesem Abend die Alltagssorgen vergessen.

Touristische Aspekte spielen inzwischen auch eine wichtige Rolle. Deshalb wird nicht gespart mit Attraktionen: Live Bands, Folklore, Artistik, Riesenfeuerwerk und Tanz bis in die Morgenstunden. Jedes Jahr wird es kostspieliger und aufwendiger. Die Scheiterhaufen werden immer höher, architektonisch kostbarer. Schiffchen aus Bananenblättern mit Teelichtern werden verteilt, so daß jeder seine Wünsche aufs Meer in die Unendlichkeit schicken kann. Spielt das Wetter mal nicht mit, kann man seine Wünsche auch auf ein Blatt Papier schreiben, um einen Stein wickeln und in das lodernde Feuer werfen. Lachen, tanzen, singen – an einem garantiert milden Abend. Wer sich Nachwuchs ersehnt, der sollte das Bad um Mitternacht nicht versäumen oder sich einfach von den Wellen umspülen lassen und dabei auf die Reinigung von Geist und Seele hoffen. Eine Rose, die man den Wellen anvertraut, bringt Glück, und Rosenwasser, auf der Haut verteilt, macht schön. So man daran glaubt. Man muß einfach selbst dabei gewesen sein, um Stimmung und Atmosphäre voll zu erfassen.

Das Ziegenbad
Kurz wird die Nacht für den, der alles ganz auskosten will, denn am Vormittag des 24. Juni beginnt traditionsgemäß ein ganz besonderes „espectáculo“ am Fischerhafen von Puerto de la Cruz: das Bad der Ziegen, die dafür extra zum Hafen getrieben wurden. Allerdings ist ihnen das Baden ungewohnt, sie mögen es offensichtlich nicht. Gewaltsam werden sie an den Hörnern unter Zaubersprüchen ins Meer gezogen – nur damit auch sie von allem Bösen bewahrt bleiben, fruchtbar sind und viel Milch für den beliebten Käse geben. Danach werden die Ziegen mit Baldrian, Basilikum, Eisenkraut und anderen frischen Kräutern belohnt, die beim Morgengrauen von kundigen Kräuterfrauen gepflückt wurden. Die Böcke badet man jedoch getrennt. Sie sind danach umso eifriger, und Nachwuchs ist garantiert. Das ist eine Zeremonie ohnegleichen! Natürlich begleitet von nationalen Musik- und Tanzgruppen in traditionellen Volkstrachten und typischen Musikinstrumenten der Insel. Für die Fischer und Hirten ergibt sich dabei ein Austausch von Erlebnissen und viel erregtes Palaver.

„Noche de San Juan“ auf Teneriffa ist ein fröhliches, ein ausgelassenes Fest. Alte heidnische Bräuche und christlicher Glaube verschmelzen. Die Gastfreundlichkeit der Canarios kann man nicht besser erleben. Und ein bißchen positiver Zukunftsglauben für den kommenden Sommer kann ja wohl nur gut tun.

Text: Adelgund Renelt, Bilder: ACFI-Press

Johannesnacht auf Teneriffa
Mit freundlicher Genehmigung von Radio Megawelle Teneriffa


Johannesnacht auf Teneriffa

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Gemeinden und Ortschaften - Aktualisiert am 04.05.2018


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