Die Kanarischen Inseln sind wahrhaft ein Paradies für
Landschaftskenner und Touristen, und viele Leute zieht
es dorthin, auch wegen des wunderbaren Wetters, 365
Tage im Jahr.
Viele Leute betreten die Inseln aber ohne sich je Gedanken
darüber gemacht zu haben, wer denn wohl auf ihnen
lebte, bevor die Europäer kamen, oder gar welche
unwiederbringliche einheimische Flora und Fauna es dort
zu schützen gilt.
Das Buch Geschichte und Mythen der Kanaren, des bekannten
Autoren Dr. Carlos Calvet, geführt u.A. in der
Deutschen Nationalbibliothek, erklärt dem Reisenden
und Interessenten in einfachen Worten, aber mit sensibler
Präzision, was alles auf den Inseln bis zur Ankunft
der Konquistadoren geschah, wie sich diese langsam durchsetzten
und, vor allem, wer jene Leute waren, die sich ihnen
widersetzten. Wir erkennen ferner die untergegangene
Kultur der Kanarier und ihre wundersamen Kenntnisse
über die Natur und die Welt, sowie die lebenden
Relikte einer längst vergangenen Eiszeit.
Die Kultur der Kanarier ist zwar längst nicht
mehr existent, aber große Teile von ihr leben
in der neuen Kanarischen Gemeinschaft weiter und sind
Bestandteil des alltäglichen Lebens, wie gewisse
altertümliche Speisen und Riten.
Das Buch bezaubert aber nicht nur durch die präzise
nahegelegte Historie und Natur der Inseln, sondern auch
durch die zahlreichen Geschichten und Erzählungen,
die aus der kanarischen Mythologie entnommen sind. So
lernen wir etwa die Schlachten gegen die Invasoren kennen,
aber auch die Liebe zwischen den kanarischen Romeo und
Julia, sowie die unabdingliche Treue der Untertanen
ihren Königen gegenüber.
Kurze Beschreibung des Buches:
Kapitel 1 "Wer waren die Ureinwohner
der Kanaren?" widmet sich einem wichtigen Teil
dieses Buches, nämlich der Suche nach den wahren
Ureinwohnern der paradiesischen Inseln, die - weit gefehlt
- keine einfachen barbarischen Wilden waren, sondern
sehr sensible Menschen, dessen einzige Sünde es
war, keine Technologien entwickelt zu haben, da sie
im Einklang mit der Natur lebten und ihren Gott Abora
ehrten, der unserem Gott sehr ähnelt. Wir werden
sehen, dass die antiken Guanchen - sage und staune -
von antiken Europäern abstammen, die aus einer
gewissen Wechselwirkung zwischen den Neandertalern aus
Europa und dem Homo sapiens aus Afrika hervorgingen.
In Kapitel 2 "Die Kultur der
Guanchen" erfahren wir wissenswertes über
dieses antike Volk, das nicht mehr als solches existiert.
Ihre Inseln waren in Königreiche aufgeteilt, die
manchmal gegeneinander kämpften, aber langfristig
auf diese Weise ihr Überleben sicherten. Innerhalb
der Königreiche lernen wir hier ihre Gesellschaft
kennen, die in verschiedene Kasten eingeteilt war.
Kapitel 3 "Vom ersten Hominiden
bis zum Guanchen" befasst sich vornehmlich mit
der Entwicklungsgeschichte des Menschen in Afrika und
darüber hinaus, um zu verstehen, welche Menschen
es waren, die zuerst auf die Kanaren kamen, welche konkreten
Einwanderungswellen es in der Geschichte des Archipels
gegeben hat und wie daraus die Guanchengesellschaft
entstanden ist, so wie sie die spanischen Eroberer antrafen.
Das Kapitel 4 "Legenden und Geschichten
der Guanchen" ist eines meiner Lieblingsabschnitte
und enthält Sagen, Geschichten, Mythen und Legenden
rund um die paradiesischen Inseln, ihre sagenumwogenen
Bewohner, sowie ihren Glauben an einen einzigen Gott,
der, das Böse in die Tiefen der Erde verbannte
und dessen Lebenshauch sich noch immer in den Vulkanen
wiederspiegelt.
Diese Geschichten sind in zwei Gruppen aufgeteilt, nämlich
in Geschichten vor, und nach der Eroberung, wobei einige
natürlich dazwischen hängen.
Kapitel 5 beschreibt wichtige Schlachten
gegen die Invasoren, angefangen mit den Waffen der Guanchen,
die sie in unebenem Gelände praktisch unbesiegbar
machten, doch auf dem flachen Schlachtfeld nichts nützten.
Es ist wirklich erstaunlich, wie einige wenige Guanchenkönige
(andere wurden bereits von der Güte des christlichen
Gottes und von der Übermacht Europas überzeugt
und bekehrt) es schafften die Spanier jahrelang mit
einfachen Speeren, Drachenbaumholzschildern und Wurfsteinen
immer wieder abzuwehren. Es gab auch einige wichtige
Schlachten, die in der Folge aufgeführt sind.
Im Kapitel 6 "Die Pyramiden"
finden wir eine Beschreibung der wichtigsten Pyramiden
auf den Kanarischen Inseln; unter ihnen der große
Pyramidenpark von Güímar auf Teneriffa sowie
andere Bauwerke ähnlicher Art in Los Cancajos,
Mazo, El Paso etc., vornehmlich auf den Inseln La Palma
und Teneriffa.
Wir gehen weiterhin das Lebenswerk des Thor Heyerdahl
durch, der ständig an den Stufenpyramiden von Güímar
mit dem Fährenunternehmer Fred Olsen als Sponsor
arbeitete, und erfahren, dass viele der Pyramiden eine
bestimmte astronomische Ausrichtung haben.
Das Kapitel 7 beschreibt weitere Anlagen
der Guanchen, wie die Siedlungen im Anagagebirge im
Nordosten Teneriffas und die Hirtenbehausungen im Zentrum
der Insel. Wir lernen das Zeremoniezentrum von Guargacho
in San Miguel de Abona im Süden der Insel kennen,
das ein einzigartiges, großes Bauwerk ist und
aus einer ziemlich großen, bedeckten, kreisrunden
Hütte bestand, so wie wir sie noch heute bei den
südamerikanischen Indios im Regenwald Amazoniens
vortreffen. Auf La Gomera gibt es die merkwürdige
Festung von Chipude (Argodey), die von Hirten benutzt
wurde, aber auch als Zufluchtsort oder Versammlungsplatz
zu religiösen, sozialen oder gar militärischen
Zwecken gedient haben könnte.
Im Kapitel 8 "Astronomie der
Guanchen" werden verschiedene Chroniken zitiert,
die beweisen, dass die Guanchen das Jahr in Monden zählten
und jedes Jahr zahlreiche Generalversammlungen abhielten,
wo sie feierten und der König eines jeden Reiches
viele Lebensmittel dem Volk gab, damit sie alle zufrieden
miteinander leben konnten. Denn die Kanarier waren prinzipiell
ein friedfertiges Volk, das einen einzigen Gott - Abora
- verehrte. Die Guanchen hatten einen Mondkalender entwickelt,
der, dem der Berber Nordafrikas ähnelt, wobei die
verschiedenen Phasen des Sterns Canopus aus der Konstellation
Carina eine wichtige Rolle spielten.
Das Kapitel 9 beschreibt eine antike
Mathematik - die Fähigkeit der Guanchen, ohne jegliches
mathematische Grundwissen ihre Viehherden zu zählen.
Es werden dazu Beispiele aus dem heutigen Leben auf
den Inseln vorgestellt, sowie eine mögliche Erklärung
für diese außergewöhnlichen Fähigkeiten
auf der Grundlage einer komplexen Rechenweise, wie sie
vor Jahrzehnten noch in unseren Schulen von unseren
Eltern und Großeltern praktiziert wurde. Diese
komplexe Rechenweise hat offensichtlich mit dem menschlichen
Verstand zu tun und kann nicht in binärer, duodezimaler
oder anderer Form erklärt werden.
Im Kapitel 10 lernen wir die Grundsätze
der Guanchensprache kennen, die prinzipiell mit anderen
antiken Sprachen verwandt ist, wie dem Baskischen, das
selbst für die Entzifferung ägyptischer Hieroglyphen
erfolgreich eingesetzt werden konnte. Es entsteht der
Eindruck, eine ehemalige Ursprache des Cro-Magnon-Menschen
sei im Laufe der Jahrtausende in verschiedene altertümliche
Sprachen, wie Iberisch, Minoisch, Tartessisch, Baskisch,
aber auch Guanche, übergegangen. Da bereits 1400
v.Chr. die Alten Ägypter die Kanaren erreichten,
wo diese aber schon seit längerem von noch älteren
Gruppen bevölkert waren, kann man von einer Evolution
der kanarischen Sprache reden, so dass die moderneren
berberischen Schriftzeichen, die in Reliefs auf vielen
Inseln des Archipels gefunden wurden, kein Indiz für
eine große berberische Besiedlung der Kanaren
sind, sondern nur Teil einer großen Evolution,
die schon Tausende von Jahren zuvor in der Steinzeit
anfing.
Kapitel 11 ist speziell den Petroglyphen
oder Felsgravuren auf den Kanaren gewidmet, unter denen
es verschiedene Typen gibt. Während die ältesten
unter ihnen aus steinzeitlichen, geometrischen Figuren
bestehen, gibt es auch einige neuere Gravuren mit alphabetischen
Zeichen aus dem Altlybischen oder der Berbersprache,
ohne dass diese Schriftzeichen quantitativ jedoch je
auf den Kanaren eine große Rolle gespielt hätten.
Ein verwandtes Thema zu den Petroglyphen der Kanaren
sind im Kapitel 13 die Petroglyphen
und Felsmalereien der Sahara und Westafrikas, die teilweise
sehr von den Felshauereien der Kanaren abweichen und
somit beweisen, dass die kulturellen Kontakte zwischen
Afrika und den naheliegenden Kanaren eher geringfügiger
Natur waren, oder aber, dass die Kultur der Guanchen
so stark ausgeprägt war, dass Neuerungen aus Afrika
dort keinen großen Halt fanden. So konnte sich
auf den Kanaren - entgegen dem gesamten afrikanischen
Kontinent - z. B. niemals das Tragen von Masken oder
anderen rituellen afrikanischen Mitteln durchsetzen.
Möglicherweise weil die Funktion, die solche Masken
ausübten, auf den Kanaren eher belanglos war.
Schließlich lernen wir im Kapitel 14
die antike Westsahara sowie die Geschichte der Arabisierung
Nordafrikas kennen. Hier unterscheiden wir eindeutig
zwischen den antiken Berbern bzw. Nomadenvölkern
der Sahara und den modernen nordafrikanischen Völkern,
hervorgekommen aus der Fusion zwischen dem Prä-
bzw. Protomediterranen Menschentyp aus Kleinasien -
welcher ganz Nordafrika besiedelte und den älteren
Cro-Magnon-Menschen ablöste - und alten afrikanischen
Ansässigen, sowie aus der späten Arabisierung
Nordafrikas durch jemenitische Stämme, die aus
religiösen Gründen ausgesandt wurden und sich
später mit den antiken Berbern vermischten, um
eine moderne nordafrikanische Gesellschaftsform aufzubauen,
die nicht mehr so sehr religiös, sondern eher traditionell
orientiert war. |